In Enemy Hands – oder: Eigentlich sind wir ja doch alle Freunde

Kann selbst kaum glauben, dass er einen U-Bootkapitän spielt: Til Schweiger.

In Enemy Hands ist ein U-Bootfilm, der nicht Das Boot ist und der nicht aus Deutschland kommt. Konservativere U-Bootfilmfreunde verschmähen jetzt schon diesen Film ohne auch nur eine Zeile weiterzulesen. Es ist nicht Das Boot. Punkt.

Für alle anderen beginnt schon im Anfangsmonolog aus dem Off das seichte Gruseln. Diese Stimme kommt mir doch bekannt vor. Ist das nicht….? Nein, nein, das kann ja nicht sein. Und doch: Sekunden später entfaltet sich das Grauen in vollen Zügen. Es ist tatsächlich Til Schweiger, der gewohnt regungslos mit starrer Miene als pfiffiger Seewolf und U-Bootkapitän auf der Brücke steht und herumperiskopiert um den ganz großen Coup in Hollywood zu finden. Ihm treu zur Seite steht Thomas Kretschmann, der vor ein paar Jahren in einem absolut grauenvoll schlechten Stalingradfilm mitgespielt hat, ebenfalls auf der Suche nach internationaler Glaubwürdigkeit.

Also, worum geht es in diesem Film?
Wenn man es aufs wesentliche reduziert, dann verspricht der Held seiner Frau einfach nur, dass er in einem Stück und heil nach Hause nach Amerika zurückkommen wird. Er muss es ihr sogar schwören, so fix eskaliert die Situation. Und wie wir aus allen anderen amerikansichen Produktionen wissen hat sich as Ende des Filmes damit erledigt, denn die Liebe findet immer einen Weg. Immer.

Dazu gesellen sich noch ein paar Nebenplots: Ein junger Kapitän der US-Marine will sich beweisen und sich der Familientradition von Militärkapitänen zu Hause als würdig erweisen. Der mienenerstarrte U-Bootkapitän Jonas ist desillusioniert vom Krieg und will lieber Fischkutter fahren. Kriegsfilmklischee Nummer 238945 los.

Natürlich geht die erste Feindfahrt des US-Kapitäns ziemlich schief. Zu groß ist sein Ehrgeiz und zu gering sein Wille, sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Denn, was er nicht wahrhaben will: An Bord verbreitet sich mit rasanter Geschwindigkeit eine Seuche, die einer der leitenden Offiziere aus Panama mit angeschleppt hat. Und es dauert nicht lange bis die ersten Navigationsoffiziere tot umfallen. Als Kapitän ignoriert man sowas natürlich schonmal. Was zählt ist die Mission!

Es kommt schließlich wie es kommen muss und das US-Boot wird kampfunfähig gemacht. Der gütige Jonas nimmt – gegen den Willen der deutschen Besatzung – die überlebenden US-Amerikaner an Bord auf, ebenfalls unwissend, dasseinige krank sind. An Bord des deutschen U-Bootes breitet sich die Krankheit natürlich noch schneller aus und bald zwingen die Umstände den Kapitän Jonas dazu….ungewöhnliche Methoden anzuwenden um die Mannschaft und das Boot noch zu retten. Natürlich nicht ohne eine Meuterei der Hardcorenazis in der Crew zu riskieren.

In Enemy Hands ist primär ein Actionfilm, gemischt mit einer weihnachtsmäßigen Geschichte über Freundschaft und Menschlichkeit. Menschlichkeit kennt keine Grenzen. Menschlichkeit kennt kein Pardon. Und wer menschlich ist, der handelt auch dann richtig, wenn die Welt um ihn herum in Chaos und Wahnsinn versinkt. Nur die vollständig entmenschten Hardcorenazis können sowas nicht. Ein bisschen ist dieser Film wie dieser andere Film über das Weihnachten 1914 an den Schützengräben. Jedenfalls kann ich mir gut vorstellen, dass sie sowas hier im Hinterkopf hatten. Davon mal abgesehen versucht der Film aber einfach eine Story voller Action, Twists und Spannung zu transportieren, gepaart mit der Nachricht „Die Deutschen waren keine Monster“.

Was die Action angeht, finde ich den Film ganz gut gelungen. Es passiert ne Menge und auch immer mal was Neues. Was das Menschliche angeht, da wird der Film – naja – etwas wackelig? Also es ist halt ganz klar, dass alles wirklich einem strikten Hollywoodscript folgt. Und weil man das schon drölftausendmal in drölftausend anderen Hollywoodfilmen gesehen hat, ist hier auch keiner mehr überrascht glaub ich. Standardkost halt. Dosenthunfisch mit Explosionen. Es ist einer dieser Filme mit einem kleineren Budget, die aber trotzdem ihr Bestes geben den Zuschauer zu unterhalten.  Dementsprechend sollte man hier auch nicht mit der Erwartungshaltung rangehen, dass der Film irgendeinen historischen Anspruch hat. Stattdessen gibt es einen unverbindlichen Film mit U-Booten und ner Menge Explosionen. Ein richtiger Joyride!
In dem Fall erwartet den Zuschauer ein passabler Film mit ner Menge Action und nicht ganz so viel Sinn. Schon unter dem Trailer sind übrigens viele Leute recht erbost über den Film. Er würde überhaupt keinen Sinn ergeben und ja nur alles aus dem großartigen Film U-571 klauen – dem besten U-Bootfilm aller Zeiten. Vollmundige Versprechungen! Ob U-571 wohl wirklich so großartig ist?

Würde ich den Film weiterempfehlen? Nicht unbedingt. Ich halte ihn aber für ganz passabel. Für mich ist Enemy Hands der kuriose U-Bootfilm fürs Weihnachtsfest. Am Ende steht ja fest: So unterschiedlich sind wir gar nicht. Eigentlich sind wir ja doch alle Freunde.

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