U-571 oder: Der Untergang

Dazu fällt mir echt nix ein: Jon Bon Jovi im U-Bootfilm.

Im Internet hab ich oft gelesen was für ein toller Film U-571 ist. Also hab ich ihn mir angeschaut. Aber tatsächlich sollte jeder, der schon In Enemy Hands nicht mochte sich gerade über U-571 verdammt bedeckt halten.

Ich fasse mal zusammen: Es geht darum, dass die US-Marine in einer heldenhaften und draufgängerischen Einzelgängeraktion eigenhändig die Enigmamaschine und ihre Bedienungsanleitung birgt. Soweit ich weiß ist das aber nicht korrekt. Klar, In Enemy Hands war auch Mumpitz. Aber U-571 scheißt sich imo ins eigene Grab, indem der Film sich vollmundig als Epos über die tapferen Männer der US-Marine postiert. Wir alle wissen es besser, aber solche Phrasendreschereien würden eigentlich nahelegen dass man versucht was besonders historisch akkurates auf die Beine zu stellen, oder aber zumindest etwas, das wenigstens versucht irgendwie eine Würdigung zu sein.

Ja, ganz recht: U-571 ist einer dieser unsäglichen Filme, die den Tenor ‚MURRICA!!! bis zum Erbrechen verfolgen und auch sonst keinen Inhalt haben. Eingebettet ist es in eine märchenhafte Hollywoodnarrative: Lt. Andrew Tyler träumt von nichts mehr als endlich U-Bootkapitän zu werden und er hat sich auf dem uralten Schepperkahn S-33 der schrottreifen S-Klasse in der amerikanischen Navy die letzten 3 Monate sowas von den Arsch aufgerissen, aber jetzt kommt dieser fiese alte Dekan Commander Captain Sir und sagt „du bist noch nicht bereit ein U-Boot zu kommandieren und bleibst erster Offizier. Ach übrigens: Der Landurlaub für alle ist gestrichen und wir fahren sofort wieder los!“. So gemein! Dabei ist Mr Tyler, wie ihn der afro-amerikanische Schiffskoch nennt, seiner Zeit weit voraus. Er ist ein Freund der Menschen und verteidigt die demokratischen US-Grundrechte sogar für diesen schwarzen Schiffskoch, der so eklatant offensichtlich als Gimmick in die Story geschrieben wurde, dass es beizeiten echt weh tut. Die einzige Funktion dieses Schiffskochs besteht darin, den Hauptcharakter besser aussehen zu lassen und ein bisschen Comic Relief reinzubringen wenn er Nazis rumkommandiert – er ist übrigens der einzige Schwarze im ganzen Film, was den Eindruck noch verstärkt.

S-33 erhält einen Sondersupergeheimauftrag und wird so umgeschweißt dass es „deutsch“ aussieht. Die Männer im U-Boot müssen einen aufmüpfigen SPECIAL FORCES-Mann mitnehmen und vor dem deutschen Rettungs-U-Boot ein gestrandetes Boot erreichen um unerkannt die Besatzung zu töten und die Enigma-Maschine zu klauen. Ein Wettlauf gegen die Kriegsmarine beginnt und im Folgenden erhält jeder Charakter genau eine Gelegenheit seinen ihm angeschriebenen trait genau einmal zielgerichtet anzubringen und so über sich hinauszuwachsen und ein Held zu werden, bis am Ende alle Helden sind.

Boys in boats.

Dabei tun sich neben ziemlich fetten geschichtlichen Fehlern auch gigantische Löcher im Plot und in der Logik auf. Nur mal als Beispiel: Als das deutsche U-Boot gekapert wird ist es komplett bewegungsunfähig, hat kaum noch Saft auf der Batterie und der Dieselmotor ist zerstört – die Kolben haben sich aneinander kaputtgefressen und haben sich verkeilt. Da bewegt sich nix mehr. Kaum sind die Amerikaner auf das Boot angewiesen, da läuft es wieder ohne Murren ganz normal. Die Kiste läuft sogar so gut, dass sie andere Schiffe ohne größere Probleme angreifen und vernichten kann. Es folgen tollkühne Unterwasserloopingmanöver und lauter waghalsige Manöver nach Art von Captain Kirk.
Ist halt ein convenient-skript. Es ist nach der Art geschrieben, dass man sich im Film sagen will „Oh, how convenient!“ wenn eine Änderung eintritt, die den Helden wieder in die Hände spielt. Genau das saugt dem Film auch das letzte Quäntchen Spannung aus. Es gibt keine Bedrohungssituation mehr für dne Zuschauer wenn zum zighundertsten Mal Wasserbomben auf das Boot abgeworfen werden oder irgendwas kaputt geht. Die Plotconvenience schreibt ja vor dass es gleich wieder in Ordung ist und so kommts dann auch.

Am Ende hat Mr Tyler alle Besatzungsmitglieder stets in die größtmögliche Gefahr gebracht und immer nur die gefährlichsten Befehle gegeben und alle müssten froh sein es überstanden zu haben – aber das Skript schreibt vor, dass der Respekt für Mr Tyler jetzt um 500% gestiegen ist, weil er sich als echter Kommandant (lies: Wahnsinniger) behauptet hat und ihm jetzt alle blind vertrauen.

Wenn In Enemy Hands Tiefseeniveau hat, dann erreichen wir mit U-571 den Meeresgrund. Ich hab jetzt eine Ladung U-Bootfilme gesehen und bisher war das hier mit Abstand der schlechteste. Mieses Skript, mieser Plot, flache Charaktere. You name it, we got it. Absolut nicht empfehlenswert und schon gar nicht mit den Großen des Genres zu vergleichen.

Trivia: Während der Film in Europa vor allem negative Kritiken gesammelt hat, ist er in den USA ein voller Erfolg gewesen, der für seine tolle Technik und das Skript gelobt worden sein soll (laut wikipedia und rotten tomatoes ).

Übrigens: Dass Hollywood das auch viel besser kann, darauf werd ich in einigen der folgenden Beiträge noch eingehen.

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