K-19: Showdown in der Tiefe?

Nicht immer ein Sympathieträger: Harrision Ford in der Rolle als streng linientreuer sowjetischer U-Bootkapitän

Roter Alarm auf der K-19. Die Atomwaffen werden scharfgemacht, der Kommandant und der Politoffizier holen die Schlüssel raus. Angriff auf Amerika!
Die Bestätigung aus Moskau kommt per Lochkartenkommunikation.
Da spratzt die Konsole und plötzlich geht gar nichts mehr.
„So eine SCHEIßE! Wie viele Millionen Rubel hat dieses Boot gekostet?! Und welcher Idiot hat da eine Sicherung für 30 Kopeken eingesetzt, wenn wir in Wirklichkeit eine für 50 gebraucht hätten?! Die Übung ist beendet!“

Man ahnt es schon: Auf dem hektisch zusammengeschusterten ersten Atom-U-Boot der russischen Nordseeflotte ist nicht alles so, wie es sein sollte. Die politische Führung gibt sich trotzdem jede Mühe, das zu ignorieren. Man braucht einfach eine gleichwertige Waffenaufrüstung wie in den USA um das Gleichgewicht der Bedrohung aufrechtzuerhalten. Sonst, so die Einheitsbefürchtung der Führungsriege, kommen die Amerikaner und zerschlagen das sowjetische Mutterland. Denn nur wenn die Amerikaner wissen dass nach dem Erstschlag ein Zweitschlag auch ihr Land verwüsten und vernichten würde, nur dann ist Mütterchen Russland vor einem Angriff der Yankees sicher.

Anfang der 60er Jahre steht die Sowjetunion sozusagen mit dem Rücken zur Wand. Das wird auch dem neu abgestellten Kapitän klargemacht. Unmissverständlich flößt man ihm ein: Das U-Bott *hat* zum gewünschten Termin auszulaufen. Ganz egal ob es funktioniert oder nicht. Es geht um die Signalwirkung nach außen und den Stolz des Landes.

Tatsächlich hat K-19 nicht nur im Film, sondern auch in der Realität von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden. Zahlreiche Unfälle haben sich schon während der Fabrikation des Schiffes gehäuft und führten zum Beinamen „Witwenmacher“. Das Boot hatte lange den Ruf, mehr Leben von Matrosen gekostet zu haben, als irgendein anderes Boot in der Flotte. Sehr bedeutungsschwanger ist auch der Augenblick der feierlichen Taufe: Die Champagnerflasche zerbirst nicht am Rumpf, sondern bleibt ganz. Für alle ist klar: Das ist ein böses Omen. Das ist im Übrigen (laut wikipedia ) wirklich passiert.

Der ursprüngliche Kapitän wurde dem neuen als erster Offizier unterstellt. Ein Umstand, der bei den Offizieren für Unruhe sorgt. Die Gefahr der Meuterei schwebt in der Luft, denn viele der Offiziere wollen den neuen Mann an Bord nicht anerkennen und sind loyal zum alten Kapitän. Der neue Kapitän sieht sich also mit unzufriedenen Offizieren gegenübergestellt, einem Boot, das nicht ausgereift und von Fehlern belastet ist, einer unerfahrenen Besatzung und teilweise absoluten Fehlbesetzungen. Die Situation verbessert sich nicht als der harte Kapitän harte Befehle gibt, die von der Mannschaft nur schwer oder gar nicht nachvollzogen werden können. Und schließlich kommt es, wie es kommen musste: Ein schwerer Zwischenfall ereignet sich. Das Boot ist außer Reichweite der eigenen Leute. Werden die Offiziere die Befehle akzeptieren? Wird das Boot halten?

K-19 ist ein echt gut gemachter und spannender Film über eine folgenschwere sowjetische Atomfahrt in den 60er Jahren. Meiner Meinung nach ist der Film mindestens auf einer Ebene mit Jagd auf Rote Oktober, wenn nicht sogar besser. Denn im Gegensatz zu ersterem ist die Story nicht von Tom Clancy und dementsprechend auch nicht so mit Hurra-USA durchsetzt. In diesem Sinne also wirklich mal was erfrischendes mit den Altmeistern Harrison Ford und Liam Neeson in den Hauptrollen.
Uneingeschränkte Empfehlung für einen wirklich gelungenen Film!

Epilog: Ich habe mir überlegt nicht über Roter Oktober und Das Boot zu schreiben. Ich denke die Filme sind beide sehr gut auf ihre Weise, aber halt auch sehr bekannt. Daher halt ich es nicht für notwendig oder interessant über sie an dieser Stelle zu schreiben. Das war’s auch schon mit der U-Boot-Reihe)

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