Die Brücke. Oder: Warum die TV-Produktionen der Privatsender auch nicht besser sind

Bilder sagen mehr als tausend Worte. Links das Originalplakat, rechts ein DVD-Cover vom Remake. Sieht aus wie Kinoqualität oder?

Achtung: ENTHÄLT SPOILER

Die Brücke ist ein sehr bekannter deutscher Antikriegsfilm aus den 50er Jahren. Er wird gerne im Schulunterricht gezeigt, denn er hat zum Thema wie noch in den letzten Tagen des Krieges eilig 16jährige ins Feuer geworfen wurden um sinnlos Stellung zu halten.
Im Original ging es dabei vor allem darum, wie schnell sich Jugendliche für sowas begeistern lassen und auf der anderen Seite aber auch darum, wie eigentlich trotzdem viele Erwachsene auf ihre Weise noch irgendwo ein Herz haben und versuchen die Jungs unauffällig rauszuhalten, damit sie eben nicht sinnlos verheizt werden und gar nicht erst in die die Situation eines Gefechts geraten. Unauffällig eben deshalb, weil die Kids total versessen darauf sind Kriegsdienst zu leisten und daher nicht merken dürfen, dass sie zu ihrem eigenen Besten an der Nase herumgeführt werden. Außerdem stellt man ihnen einen erfahrenen Soldaten als Führer zur Seite, der schön aufpassen soll, dass es keine sinnlosen Toten gibt und der im Fall der Fälle immer noch schnell alle Hebel richtig umlegen kann, damit keine Katastrophe passiert.Uniform hin oder her. Durch unglückliche Verkettungen von Zufällen geht die Sache aber trotzdem schief. Klassischer Tragödienstoff. Was ganz besonders im Vergleich zur Neufassung auffällt, ist wie verdammt gut, das Original einfach geschrieben ist. Die Handlungen sind immer nachvollziehbar und wirken logisch und nachvollziehbar. Gerne würde ich das gleiche auch von der neuen Brücke sagen….

2008
Junge, o junge… dieser Film versagt von der ersten Minute an. Ich betitel das hier mal flapsig als Failfilm, aber es ist wirklich so, dass man beinah im Minutentakt zählen kann, wie der Film einen Fehler nach dem anderen macht. Setzt euch mal mit so einer Einstellung an den Film und zählt einfach mal durch. Also wo fängt man da am Besten an?

Das Hauptproblem ist erstmal, dass der Film alles vollkommen überzeichnet. Gerade auch die Charaktere im Film handeln total übertrieben und beides zusammen macht die Handlung total unglaubwürdig. Stellt das Original noch Menschen mit Motiven vor, die glaubwürdig handeln, wie echte Menschen mit echten Hintergedanken und Motivationen, macht es sich die Neuauflage einfacher: Alle Menschen sind schwarz/weiß und alle Menschen handeln auch immer nur schwarz/weiß. 100% oder 0%. Dazwischen gibt es in dieser Auflage des Filmes nichts. Zum Beispiel gibt es bestimmte Figuren, die grundsätzlich nur schreiend kommunizieren. Das wirkt einerseits unfreiwillig komisch, andererseits aber auch völlig unecht und unnatürlich. Ist übrigens schon im Trailer ersichtlich.

Ein anderes Problem: ACTIONSZENEN. Pro 7 hat den Film ja als episches Machwerk „in Kinoqualität“ angekündigt – folglich leidet das gute Stück am One-up-Syndrom. Damit meine ich, dass grundsätzlich auf jede Handlung und jedes Detail noch einer obendrauf gelegt werden muss. Einfach um dem Zuschauer zu zeigen wie verdammt krass alles ist und was für ein Hammerevent dieser Film ist. Alles muss noch größer, noch feuriger, noch extremer und noch brutaler sein. Wie Kino halt!!! Wenn sie im Original einen Krieg hatten, dann brauchen wir mindestens einen SUPERKRIEG 😮

Um so konstant zu schreien und so übertrieben zu betonen muss ein alter Mann viele Hustendrops lutschen…

Zurück zum Thema Actionszenen: Schon direkt am Anfang gibt es eine wilde Verfolgungsjagd, als Schüler und Lehrerin vor einem angreifenden amerikanischen Flugzeug in Deckung gehen müssen. Hatten amerikanische Flieger damals nichts besseres zu tun als irgendwelches Fußgänger zu beschießen?  Der richtige Knaller kam aber erst danach: Eine Sexszene 😀
Wieder einen obendrauf gesetzt *high fives all around im Produktionsteam* 😉

Es werden lauter solche Sachen eingeworfen oder vom Original her aufgegriffen und so endlos aufgepumpt, dass es einfach nur dumm ist. Subtilität kennt man 2008 nämlich nicht mehr. Im Original wurde glaube ich in einer Szene höchstens angedeutet, dass einer der Schüler in eine Lehrerin verschossen ist. Da sollte er einen Ball zurückwerfen und war ganz verschähmt. Kapiert heute keiner mehr – da muss einer obendrauf gelegt werden ^^
Wir brauchen das größer, geiler, krasser. Wie Kino! Also sext der Schüler natürlich die Lehrerin, damit auch alle kapieren wo der Frosch die Locke hat. Und wenn eine Lehrerin mit einem Schüler… in der Nazizeit… dann… Ah! Eine verbotene Liebe? Genialer Subplot! Alle lieben eine verbotene Liebe. Meiner Meinung nach aber ein komplett unnötiger und überzogener Handlungsstrang.

Versteht ihr, was ich meine? So geht es halt andauernd in diesem Film.

Anderes Beispiel gefällig?
Im Original gibt’s harmlose Bubenstreiche. 2008 sind die Kids eine stehlende, saufende, (tier)mordende Saubande. Im Original wars ne Flasche Cognac oder sowas. Hier ists gleich ne Kiste mit Fusel? Geklaute Pistolen und Raubmord an einer armen Sau vom Nachbarn. Im Original konnte man sich reinversetzen und lachen. Haha, diese Bengel! Bei den Eskapaden in der neuen Brücke hab ich mich nur  gefragt was das für asoziale Arschlöcher sind… Aber angesichts solch harmloser Knabenstreiche drückt der Polizeibeamte nochmal ein Auge zu. Haha, diese Lümmels 😉

Besonders entmenscht werden aber vor allem alle Uniformträger. Und ich meine jetzt durch die Bank alle. Außer die Amerikaner. Wenn ich drüber nachdenke, sind die glaubhaftesten Charaktere im Film wirklich die amerikanischen GIs. Das hängt aber damit zusammen, dass sie kaum eine Rolle spielen. Der besonnene Veteran aus dem Original etwa, der den Kids zur Seite gestellt wird, ist hier ein feiger Drückeberger, der sich u.a. vor der Verantwortung drückt und die Kinder im Stich lässt. Der Ortsvorsteher ist geradezu lächerlich bösartig – also auf eine total unglaubwürdige, cartoonige Art. Und umso unglaubwürdiger wirkt es wenn er dann, wenn es um seinen Sohn geht, eine 180°-Wende macht und zum besorgten, lieben Vater mutiert.  One-up: Der Ortsvorsteher läuft nur noch in SA-Uniform herum, kommuniziert nur schreiend und der Streit zwischen ihm und seinem Sohn (im Original) ist im Remake auf bestem Talkshowniveau.

Das ist halt sehr schade, weil dadurch dem Film was wichtiges verloren geht: Nämlich ein Durchklang der Menschlichkeit. Sicher war der Nazibonze im Original ein Arschloch, aber er hat auch menschlich glaubhaft gehandelt. Gleiches gilt für den Veteranen. Der alte Film war bemüht zu warnen, hat aber nicht ignoriert, dass auch hinter Uniformen ab und zu mal Menschen stecken können. Und auch der größte Arsch hat seine Momente und Motive, durch die er mal nachvollziehbar handelt. Das geht der Neuauflage eben völlig ab.

Also ich beende meinen Rant mal und sage was alle eh schon wussten:
Die Neuauflage von 2008 ist ganz großer Schrott. Die Macher haben viel Spektakel reingepumpt, aber nur wenig (glaubwürdigen) Inhalt. Weder die Charaktere, noch die Handlung wirken glaubwürdig. Bitte, bitte schaut euch lieber das Original aus den 50ern an.

Warum ist die Neuauflage so schlecht?
Meine These: Es liegt wirklich daran, dass sie auf Teufel komm raus überall noch einen draufsetzen wollten. Es zerstört halt den Film komplett. Beobachtet das Mal, wenn ihr den Film gucken solltet. Ich denke man sieht hier schön wie ein medialer Minderwertigkeitskomplex (alles muss größer und krasser sein, wir können das doch auch) auch soliden Stoff im Handumdrehen zunichte machen kann.

In diesem Sinne: Setzen, 6.

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