War Thunder vs. World of Tanks: Teil 2.2

wtvswotNachdem ich den Umfang von Teil 2 etwas unterschätzt habe kommt hier der Nachtrag zu War Thunder. Genau wie für World of Tanks beleuchte ich hier auch für War Thunder den genauen Spielumfang und die Spielmodi im Detail.

War Thunder – das schweizer Taschen-F2P
Cross-Platform, cross-national, von Arcadegeballer bis zu anspruchsvollen Simulatorkämpfen. War Thunder ist seinem Widersacher aus Weißrussland gerade auch technisch scheinbar immer einen Schritt voraus. Statt alle Teilbereiche auf Teilspiele und Teilserver aufzuteilen, will War Thunder alles auf einmal und alles in einem Paket servieren. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Land ich und meine Mitspieler gerade sitzen, ob ich auf der PS4, einem Mac oder dem PC spiele, ob ich Steam nutze oder nicht und ob ich Linux oder Windows benütze und welches dieser Systeme meine Mitspieler verwenden.  Wie ein schweizer Taschenmesser bietet War Thunder jede Menge unterschiedlicher Optionen und Tools um das Spiel so zu spielen, wie man es gerade am liebsten möchte. Das hat auch Folgen für das Menü. Steht man bei World of Tanks im Hangar, so ist man auch hier einen Schritt weiter und steht kampfbereit vor dem Hangar. Aber mal ernsthaft: Durch den größeren Umfang des Spiels ist natürlich nicht mehr alles so auf einen Blick erreichbar wie bei World of Tanks:

Standard-Menüansicht bei War Thunder

Standard-Menüansicht bei War Thunder

Im Gegensatz zu WoT kann man die Mannschaftsanzeige nicht direkt sehen. Dafür hat man aber nicht nur die technischen Daten des Fahrzeugs aufgelistet, sondern kann auch in eine Panzerungsanalyse und sogar einen Röntgenmodus wechseln, bei dem man sieht welche Komponenten wo verteilt sind – Was zunächst wie eine nette Spielerei klingt, ist aber durchaus spielentscheidend. Anders als bei World of Tanks haben die Fahrzeuge nämlich keinen Strukturpunktepool, sondern der Schaden wird individuell ermittelt. Dazu an anderer Stelle mehr. Drittseiten und Extraprogramme wie tanks.gg bei WoT sind damit jedenfalls schonmal überflüssig für WT, weil viele Sachen schon im Spiel integriert sind.

Die Serverauswahl ist freier und unkomplizierter als bei den Weißrussen: Über einen Auswahlbalken lassen sich einfach alle gewünschten Server hinzuschalten und alle unerwünschten lassen sich abschalten. Auf diese Weise kann man sehr gut beeinflussen, in welcher Region man spielen möchte. Und so ist es auch kein Problem, mit russischen oder amerikansichen Freunden eine Runde zu zocken. Die Sprache der Menüs lässt sich übrigens ebenfalls im Launcher jederzeit umschalten. Keine Lust mehr auf den rauhen Umgangston europäischer Server? Einfach EU abwählen und RU ankreuzen. Schon ist alles ganz anders und aus einem verbratzten „***** team **** noobs!“ der Kollegen wird ein professionelles „***** команда ***** нуб!“.

Ganz unten, noch unter den Fahrzeugslots, kann man übrigens zwischen den Waffengattungen Heer (Panzer) und Luftwaffe (Flugzeuge) umschalten.

Die Währungen sind ähnlich wie bei WoT gehalten: Man sammelt freie Forschungspunkte (Glühbirnen) und fahrzeugspezifische Foschungspunkte. Dazu verdient man mit jedem Kampf Silbertaler (hier: Silver Lions… warum auch immer) und man kann sich über spezielle Aufgaben und für Echtgeld auch die Premium-Goldwährung (Gold Eagles) dazuverdienen. Mit deren Hilfe kann man freie Forschungspunkte zu fahrzeugspezifischen Punkten umwandeln und so ziemlich alles beschleunigen was man möchte. Auch gibt es einige Kauffahrzeuge, die man nur für Gold erwerben kann. Deren Funktion ist häufig, dass sie einen Forschungs- oder Geldbonus in jedem Gefecht vergeben und man so schneller forschen kann. Solche Fahrzeuge gibt es zwar auch bei WoT, aber dort ist der Unterschied, dass sie eher kosmetischer Natur sind und keinen direkten praktischen Extranutzen haben. Sie kommen bei WOT allerdings meist mit ner voll ausgebildeten Besatzung ab Werk.

Ebenfalls anders ist bei War Thunder der Bereich „Inventar“ (Die Kiste neben dem Shop). Den Bereich gibts bei World of Tanks nämlich gar nicht. Hier sammelt man sog. Einsatzbefehle, Herausforderungen und Booster auf Forschungspunkte oder auf Silbertaler. Wenn man diese aktiviert, kann man für sich selbst und/oder das eigene Team Multiplikatoren für die verschiedenen Spielwährungen einschalten oder hat die Möglichkeit über die Herausforderungen sogar Goldtaler zu gewinnen, wenn man die Bedingungen erfüllen kann. Das ist am ehesten Vergleichbar mit den Missionen bei World of Tanks, die von Wargaming immer mal wieder vergeben werden. So etwas wie „Schieße in einer Schlacht X Fahrzeuge von jedem Typ ab“ oder „versursache bis X eine Menge Y an Schaden“. Allerdings gibt es auch bei War Thunder für sowas noch einmal einen Extrabereich mit stets neuen Turnieren und Events zusätzlich zu den bereits erwähnten Items.

Voll ausgeklapptes Menü

Voll ausgeklapptes Menü

Spielmodi – Vielfalt, Kontrolle und trotzdem zufällig
Ein Punkt, bei dem War Thunder meiner Meinung nach wirklich auftrumpfen kann, sind die Spielmodi. Neben den standardisierten Zufallsschlachten auf den Leveln Arcade, Realistisch oder Simulator, kann man auch noch Einzelspielermissionen (frei)spielen, hat eine Bibliothek an mehreren Tutorialmissionen, kann dynamische oder historische Kampagnen gegen Spieler oder KI spielen und hat sogar die Möglichkeit eigene Einsätze mit einem offiziellen und umfangreichen Missionseditor zu gestalten. Damit lassen sich sogar ganze Kampagnen gestalten. Da kriegt man wirklich eine ganze Menge für sein Geld geboten, selbst wenn man gar kein Geld bezahlt hat.

Die normalen Zufallsschlachten im Arcademodus sind nicht viel komplexer als die Capture-the-Flag-Varianten bei World of Tanks, auch wenn es ungleich mehr Varianten bei War Thunder Zufallsschlachten gibt. Bei den Flugzeugen muss man u.a. Flugplätze einnehmen oder Bodentruppen und andere Bodenziele zerstören (lassen). Manchmal gibt es auch die gefürchteten Air Domination-Missionen, in enen man ein bestimmtes Gebiet durch zahlenmäßige Überlegenheit einnehmen und halten muss. Das endet meist in einem wütenden Zornknäuel aus Spielern, die sich gnadenlos in Dogfights im einzunehmenden Bereich beharken und ist bei einigen Spielern nicht sonderlich beliebt weil er z.B. keine Ziele für Bomber bietet.  Bei den Panzern gilt es idR einen oder mehrere Checkpoints einzunehmen um so die Tickets des Gegners auf null zu schmelzen. In der Praxis ist der Unterschied zu World of Tanks hier massiv, aber dazu mehr in einem der nächsten Artikel.

Was mir sehr gefällt, ist die Möglichkeit alle verfügbaren Karten mal in allen verfügbaren Modi mal mit Freunden privat anzuspielen. Unter dem Menüpunkt „eigene Schlachten“  kann man nämlich genau das machen und fast alle Parameter ganz easy einstellen. Es ist sogar möglich alle freien Plätze durch KI-Piloten oder -Tankisten zu besetzen und wenn man allein mit seinen Kumpels sein will, kann man auch ein Passwort für den Zutritt zum Server festlegen.

Einzelmissionen hingegen sind vordesignte Einzeleinsätze mit einem oder mehreren Missionszielen und vorgescripteten Ereignissen und Zwischensequenzen und lassen sich häufig Kooperativ spielen. Das finde ich sehr, sehr cool.

Nur einen Haken hat das Ganze leider: Erfahrung oder Silber gibts dafür meist nicht!
Trotzdem eine feine Sache, wie ich finde.

Fahrzeugforschung und -freischaltung

Fahrzeugforschung und -freischaltung

Forschung und Fahrzeugklassen
Die Forschung und die Klasseneinteilung der Fahrzeuge ist sich in beiden Spielen recht ähnlich und dennoch unterschiedlich, weil unterschiedliche Ansätze gefahren werden.
Während man bei World of Tanks immer einen Panzer freiforscht und die Untertypen oft nur durch die Verbesserung der Ausrüstung dargestellt werden, sind bei War Thunder die Fahrzeuge ganz extrem aufgedröselt. Das heißt für jeden neuen Turm und jedes neue Teil, jede andere Kanone, habe ich (historisch korrekt?) ein neues Fahrzeug in der Forschung, auch wenn Chassis usw größtenteils gleich bleiben. Im Gegensatz zu World of Tanks gibt es statt 10 Stufen bei War Thunder aber nur 5 oder 6. Auf den einzelnen Stufen tummeln sich dann bei jeder Nation gleich mehrere Fahrzeuge und man muss in der Regel 6 Fahrzeuge einer Stufe erforscht haben, bevor man auf der nächsten Stufe weiterforschen darf. Diese Forschungsstufen sind bei War Thunder denn auch mehr als „Zeitstufen“ oder als Ära zu verstehen. Einen Vorteil hat das Ganze aber: Man muss nicht im direkten Vorgängerfahrzeug sitzen um Forschungspunkte für die Erforschung eines neuen Fahrzeuges zu machen. Dadurch kann man ungeliebte Fahrzeuge mit denen man nicht klarkommt viel einfacher umschiffen und muss nicht auf Teufel komm raus mit einem Panzer fahren, den man gar nicht mag. Denn am Ende jedes Matches werden die Forschungspunkte so oder so immer direkt in das gerade aktuell ausgewählte Forschungsprojekt gesteckt. Möchte man Echtgeld ausgeben kann man das natürlich auch noch schneller haben.

Auch bei der Komponentenforschung ist War Thunder ein wenig mit einem anderen Ansatz unterwegs. Anstatt bessere Teile zu erforschen, verkauft einem das Spiel das als eine Art Reparatur, die fortan konstant einzelne Eigenschaften des Fahrzeugs aufbessert. Bei Panzern kommt zusätzlich die Fähigkeit hinzu einen Artillerieschlag anfordern zu können. Ein sehr probates Mittel um sich einen kurzzeitigen Vorteil für einen Vorstoß zu verschaffen. Das Prinzip ist ansonsten aber genau das gleiche wie bei WoT: Komponenten schaltet man durch Kampferfahrung frei, danach kauft man sie und das Fahrzeug ist fortan geringfügig besser. Dazu gehören übrigens auch Feuerlöscher und Reparaturkits, die man bei WoT z.B. einzeln extra kaufen muss.

Die Ausbildung der Mannschaft ist ziemlich komplex und kann einen starken Panzer noch deutlich stärker machen - anders als bei World of Tanks gibt eine schwache Mannschaft aber keinen Malus auf die Fahrzeugwerte

Die Ausbildung der Mannschaft ist ziemlich komplex und kann einen starken Panzer noch deutlich stärker machen – anders als bei World of Tanks gibt eine schwache Mannschaft aber keinen Malus auf die Fahrzeugwerte

Ganz anders ist in jedem Fall die Ausbildung der Mannschaft bei War Thunder. Man kauft sie nicht für jeden Panzer und jedes Flugzeug neu ein, sondern man verwendet konstant die gleiche gesichtlose Mannschaft ohne Avatare und ohne Namen, die alle fest auf ihren Slots verankert sind. Mittels Kampferfahrung (oder Echtgeld) steigert man einzelne Fähigkeiten der Mannschaft, des Bodenpersonals oder der Bordschützen. Auswirkungen können etwa sein, dass Fahrzeuge in der Schlacht schneller repariert oder aufmunitioniert werden, dass die Bordschützen häufiger und genauer schießen oder dass die Mannschaft robuster ist und nicht beim ersten Durchschlag der Panzerung tot umfällt. Kauft man ein neues Fahrzeug für einen Slot, muss lediglich ein Obulus für den Ausbildungskurs bezahlt werden. Danach werden alle erlernten Werte der Mannschaft ganz normal auch auf das neue Fahrzeug angewandt. Sehr praktisch, wie ich finde. Bestimmte Slots kann man auf diese Weise auch auf bestimmte Fahrzeugtypen spezialisieren, denn Bomberbesatzungen müssen andere Dinge besser können als Jägermannschaften etwa. Später gibt es die Möglichkeit die Fähigkeitengrenze für einzelne Fahrzeuge auch höher zu setzen.

Einheitentypen und Klassen
Herzlichen Glückwunsch! Sie haben soeben einen Flugrübenflugabwehrachichkriegsnichmehr… freigeschalten!

Der größte Unterschied bei den Panzerklassen zwischen World of Tanks und War Thunder ist die Arta. Die gibts nämlich bei War Thunder gar nicht. Stattdessen gibt es Flugabewehrpanzer. Mit lächelnden kleinen Männchen drauf. Wozu braucht man denn Flakpanzer in einem Panzerspiel? Na, für Flugzeuge, logisch. Die gibts nämlich in den Panzerschlachten bei War Thunder durchaus immer wieder mal.

Das ist Hans. Hans fährt ein Flugrübenabwehrgeschütz der Stufe 1. Hans mag sein Flugrübenabwehrdings. (Ultra Low Quality Modus)

Das ist Hans. Hans fährt ein Flugrübenabwehrgeschütz der Stufe 1. Hans mag sein Flugrübenabwehrdings. (Ultra Low Quality Modus)

Die Klassenaufteilung wirkt sich bei War Thunder meinem Empfinden nach weniger stark aus als bei World of Tanks, jedoch schränkt die Art des Panzers natürlich immer die Verwendungsweise ein. Mit einem mittleren oder schweren Panzer kann ich schwerlich so schnell vorpreschen und einen Punkt einnehmen wie etwa mit einem leichten Panzer. Und mit einem Panzerjäger o.ä. sollte ich das tunlichst nicht machen, weil ich keinen drehbaren Turm habe und nur schwach gepanzert bin. In jedem Fall fühlt sich die Einteilung fürs erste weniger rigoros an als bei World of Tanks. Grob gesagt gibt es die folgenden Sparten:

  1. Leichte Panzer
  2. Mittlere Panzer
  3. Schwere Panzer
  4. Panzerjäger
  5. Flugabwehrpanzer

Arta fehlt zwar, ist aber durch Funkanforderung in Form kurzer Kanonenschläge auf ein Gebiet auch im Spiel integriert. Stattdessen kommen streng genommen aber auch noch die Flugzeugklassen mit ins Spiel:

  1. Jäger
  2. Zerstörer
  3. Mittlere/schwere Bomber

Community/Drumherum
Anders als bei World of Tanks sind die größten Youtuber von War Thunder erstmal primär lockere Labertaschen, die miteinander Livekommentare machen während sie royale ownage austeilen. Guides für einzelne Fahrzeuge sind eher selten. Es gibt eher Showcasingvideos. Was es aber durchaus gibt sind Tutorialvideos, in denen z.B. Flugmanöver angedeutet und erklärt werden oder Kampftaktiken näher beleuchtet werden. Es gibt auch eine Moddingcommunity, die direkt durch ein Portal auf der Seite unterstützt wird. Neben viel Fanart gibt es dort auch Missionen, Cockpits und Texturen für alle möglichen Fahrzeuge. Der Enthusiasmus bei den Usermissionen scheint allerdings zurückgegangen zu sein, da man mit ihnen kaum Erfahrung/Geld verdient und neuerdings auch an die Fahrzeuge gebunden ist, die man schon freigeschalten hat.
Aufgefallen ist mir allerdings, dass es auch Leute gibt, die in regelmäßigen zeitlichen Abständen Simulatorkämpfe und selbstgebaute Schlachten anbieten. Quasi eine Mehrspielerkampagne im größeren Maßstab, die über mehrere Wochen an festen Tagen gefahren werden, so dass man sich da nach und nach eine kleine Karriere mit Orden etc aufbauen kann. Wird scheinbar mit viel Liebe zum Detail betrieben. Hier spielen natürlich dann auch wieder die Clans eine Rolle.

Statistiken gibt es zwar auch bei War Thunder, aber keinesfalls in der gleichen Ausführlichkeit oder Präsenz wie bei World of Tanks.

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