Biggles: Do you want to be a hero?

bigglesIch glaube, wir haben uns noch nicht käsig genug vorgestellt. Mein Name ist James Bigglesworth. Meine Freunde nennen mich Biggles *dandandan!*

Wäre Biggles deutsch, dann würde er Perry Rhodan heißen. Aber Biggles ist Brite und deshalb ging es in der gleichnamigen Jugendbuchreihe über 50 Jahre lang nicht um gefährliche Menschen mit Flügeln (sog. „Vogelmenschen“) oder um wetterbeeinflussende Weltraumtyrannen, sondern um die guten alten Zeiten, als Haudegen noch Haudegen sein durften und sich als Ritter der Lüfte gegenseitig den Schneid abrangen.


Biggles ist kurzum das, was man sich vorstellen würde, wenn man an den Helden von Groschenromanen denkt. Sowas wie Captain Future oder Flash Gordon im ersten (und zweiten) Weltkrieg, wenn man so will. Neben den Büchern sind wohl auch Comics erschienen und in den 80ern kamen sogar ein Film und ein Computerspiel dazu. Und vor über die beiden möcht ich hier kurz reden.

Biggles als Comic und als Buch

Biggles als Comic und als Buch

Die Gründe hinter der Verfilmung sind mir unbekannt, aber man muss wohl gedacht haben die Zeit sei reif. Biggles sollte Mitte der 80er Jahre endlich größer, krasser, actionlastiger und generell cooler werden. Wie Kino!
Ein Kinofilm wird konzipiert, aber laut der Legende komplett umgeschrieben, nachdem 1985 „Zurück in die Zukunft“ ein Riesenerfolg wird. Zeitreisen sind jetzt das angesagte Thema, deswegen braucht man das im Bigglesfilm auch.


Set Phasers to synth! Wenn der Song so 80er ist, dass selbt der Künstler nur noch stottern kann

An und für sich ist die Idee auch gar nichtmal so uninteressant:
Durch irgendein seltsames Phänomen wird unser Filmheld Jim Fergusson in den 80ern vom Blitz getroffen und findet sich unvermittelt im ersten Weltkrieg wieder. Yikes!
Dort trifft er auf Biggles und, nach einem Augenblick gegenseitiger Verwunderung, helfen die beiden sich aus der Patsche. Doch kurze Zeit später trifft ihn wieder der Blitz und – bumms! – ist er zurück in den 80ern. Glück gehabt… oder etwa nicht? Natürlich nicht! Denn ab sofort trifft ihn der Blitz immer wieder mal. Nur ein rätselhafter alter Mann, gespielt von Großmoff Peter Cushing in seiner letzten Rolle (*schnüff* 😥 ), weiß wie der Hase läuft. Er erklärt Jim, dass er dauernd in die Vergangenheit gefeuert wird und was seine Aufgabe ist. Ultimativ muss Jim seinem Zeitzwilling Biggles dabei helfen eine geheime Deutsche SUPERWAFFE zu finden und zu vernichten, die den Ausgang des Krieges verändern und die Menschheit für immer ins Verderben stürzen würde. Klingt ein bisschen wie eine gigantisch aufgeblasene Folge von Doctor Who oder? Manche der Effekte versprühen auch defintiv den Charme der BBC-Trickkiste.

Aber sein wir mal ehrlich: Der Film erfindet das Rad nicht neu und hat auch keinen sonderlich großen Impact hinterlassen.

Das Gleiche kann man natürlich auch über das Spiel zum Film zum Comic zum Buch sagen. DO YOU WANT TO BE A HERO? fragt uns die Werbeanzeige frech.
WELL, NOW YOU CAN! möchte ich im breitesten Amerikanisch darauf antworten. Erschienen für den Commodore 64, das Spectrum und den Amstrad, also etwa der versammelten zweiten Homecomputer-Bundesliga der 80er, bietet das Spiel die Möglichkeit, in die wunderbare Welt des Kinos einzutauchen und sich die Abenteuer der großen Leinwand nach Hause ins Wohnzimmer zu holen und sich im Grandeur zu suhlen.

Mirrorsoft.... ohweh.

De Facto ist Biggles ein 4in1-Deal: Vier Spiele zum Preis von einem, unterteilt in zwei Hälften. In der ersten Hälfte muss man gleich 3 Dinge auf einmal angehen: Dogfights im Doppeldecker, eine draufgängerische Dauerrennerei über die Dächer Londons und ein dramatischer Durchbruch durch die deutschen Schützengräben. Fans von Kinder Überraschung können also bedenkenlos zugreifen.
Schafft man alle drei Passagen, erhält man einen Code, mit dem man den zweiten Teil des Spiels starten kann. Cool ist halt bei der ganzen Sache, dass die Passagen jeweils zufällig abgerufen werden. Verliert man ein Leben kommt filmgerecht der Blitz angeschossen und man warpt in eine andere Passage – man weiß aber halt nie in welche. In dieser Hinsicht ist Biggles auf dem C64 sogar ziemlich einzigartig und auf coole Weise sehr nah am Film.

Der zweite Teil des Spiels ist so eine pseudo-Helikoptersimulation, für die ich mich nie so recht begeistern konnte. Es scheint als müsste man einzelne Leute retten, bevor man am Ende die Superwaffe der Deutschen zerstört.

Was mir gerade beim Schreiben aufgefallen ist: Das Spiel wird von Mirrorsoft vertrieben. Das sind die Jungs, die im letzten C64-Beitrag so viel Flak für ihr Spitfire-Spiel bekommen haben. Ob das wohl bedeutet, dass Biggles auch Schrott ist?

Nunja. Ich selbst hab das Spiel nie als so schlimm empfunden, aber es hat schon so seine Schnitzer. Die Steurung ist ziemlich nervös, der Schwierigkeitsgrad ist ziemlich hoch und die Technik ziemlich bodenständig. So muss man die zweite Hälfte des Spiels separat starten – sie ist auf Seite 2 der Diskette und wird nicht automatisch angefangen wenn man die erste Hälfte abgeschlossen hat. Man muss dann also ganz schnöde den Resetknopf tätigen und statt Seite 1 halt Seite 2 ausführen. Thug life. Im Gegensatz zur Happy Computer 9/86 finde ich das Spiel aber nicht weiter schlimm. Auch die Grafik empfinde ich nicht als Zumutung, sondern finde sie durchaus OK. Nur mit dem Hubschrauberteil kann ich nichts anfangen. Teil 1 ist aber eine nette, flotte Spielerei, wie ich finde.

Übrigens: Man kann im Flugzeug bomben wieder auffrischen indem man Kisten am Boden zerstört. Gerade dieser SHMUP-Teil des Spiels könnte aber deutlich besser sein, wenn man nicht eine Hitbox von gefühlt einem halben Bildschirm hätte. Das eigene Flugzeug ist einfach riesengroß und wird dadurch schnell getroffen. Die Videos zum Spiel, die ich finden konnte, sind leider alle ziemlich ahnungslos. Dieses hier gibt aber einen guten Eindruck von beiden Spielhälften:

Ist Biggles spielenswert? Es ist sicher kein großartiges Spiel. Aber interessant ist es allemale und deswegen meiner Meinung nach auch einen Blick wert. Die vielen Wechsel empfinde ich als sehr ungewöhnlich und ich mag die kleinen Minispielchen ehrlich gesagt, auch wenn sie bockschwer und kaum schaffbar sind. Ich hab definitiv schon schlechtere Spielumsetzungen zu Filmen gespielt.

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