Адмиралъ – Der Admiral (2008)

Er ist so hart wie das harte Zeichen ъ und weiß immer, was er will: Der russische Kinofilm Admiral aus dem Jahr 2008 schildert das Leben und Wirken von Aleksandr Vasilevich Kolchak in den letzten Jahren des Zaren und den Wirren des russischen Bürgerkriegs – und ist allein dadurch schon ziemlich ungewöhnlich.  Nicht nur, dass der Hauptcharakter in der Sowjetunion pfuipfui war und bis heute nicht offiziell „begnadigt“ wurde – die Revolution und der darauf folgende Bürgerkrieg in Russland werden aus einer ganz anderen Perspektive geschildert als sonst üblich. Auch das russische Ministerium für Kultur hatte seine Hände in der Gemeinschaftsproduktion von 20th Century Fox Russia und dem ersten Kanal mit drin – Bekommen wir jetzt die weiße Propaganda als Gegenstück zur roten Propaganda oder kann der Admiral mehr bieten?


Ein Mann, der alles kann
Schon ab der ersten Minute lässt der Film keine Zweifel aufkommen: Aleksandr Vasilevich ist ein Mann, der keine Kompromisse eingeht. An erster Stelle steht für ihn die Pflicht fürs Vaterland. Und die setzt er ohne Rücksicht auf Verluste mit äußerster Strenge um, koste es was es wolle. Bei den Kameraden respektiert, von den Frauen bewundert, legt er in der Marine des Zaren eine steile Karriere hin. Seine Schwäche sind jedoch die Frauen. Obwohl er verheiratet ist und Kinder hat, kann er es nicht lassen der ein oder anderen Frau mehr als nur hinterherzustellen. Nach der Rückkehr von einer Mission im baltischen Meer hat es ihm vor allem die junge Anna Vasilevna (nicht verwandt) angetan – die Frau seines Offiziers Sergej Timirev. Die junge Liebe, die total egoistisch gegen alle Konventionen des Bürgertums und die Eheschwüre vor Gott geht, steht aber unter keinem Stern und droht zu scheitern, als die Bolschewiki im Oktober 1917 in einem Putsch die Macht an sich reißen. In der beginnenden Räterepublik sind alte Eliten nicht gefragt und werden gerne per Gewehr oder Bajonett verschwunden – auch die Admiräle. In den Tumulten der nächsten Jahre muss auch Aleksandr Vasilevich erst einmal fliehen, doch durch Liebe und Schicksal an Russland gebunden, kehrt er bald zurück um den roten Anarchismus zu bekämpfen. Anna Vasilevnas Suche beginnt – obwohl auch sie verheiratet ist, will sie nie wieder von ihrem Geliebten Sascha (Aleksandr) getrennt sein. Der ruft sich unterdessen zum obersten Herrscher über Russland aus und stößt mit seiner Landarmee von Sibirien aus über Omsk auf Moskau vor, um die neue Hauptstadt Russlands gemeinsam mit zwei anderen weißen Verbänden von den Roten zurückzuerobern. Ob ein Admiral zu Fuß wohl so etwas schaffen kann? Noch reiht sich Erfolg an Erfolg…

Hat auf seiner Gürtelschnalle Platz für Gott: Aleksandr Vasilevich hält im Kriegszug gegen die Bolschewiki eine Rede vor seinen Truppen und stützt sich auch auf die orthodoxe Kirche.

10 Tage, die die Welt veränderten
Den geschichtlichen Hintergrund des Filmes bilden die Ereignisse rund um die Oktoberrevolution von 1917, in der die Bolschewiki einen Putsch starteten und gewaltsam die Herrschaft an sich rissen. Weniger bekannt ist wahrscheinlich, dass das aber nicht von heute auf Morgen ging, sondern noch bis in die 20er Jahre hinein ein blutiger und brutaler Bürgerkrieg folgten, in dem die verschiedensten Mächte um die Kontrolle über das ehemalige Zarenreich kämpften. Allen voran natürlich die Roten (Bolschewiki, Kommunisten) und die Weißen (Monarchisten), unterstützt durch diverse internationale Truppen und Militärberater der Entente (=England, USA, Frankreich). Im Film werden viele dieser Ereignisse eher angekratzt und nicht superexplizit ausgeführt. Ein grobes Vorwissen um den Ablauf des Krieges ist also durchaus hilfreich.

Persönliche Meinung zum Film
Admiral ist eine Hochglanzproduktion mit einer sehr guten Ausstattung, von der CG vielleicht mal abgesehen, und kann erstmal sehr überzeugen. Auch die Handlung ist zunächst erstmal relativ flott und spannend – leider verliert sich das aber in der zweiten Hälfte etwas. Ab hier wirkt der Film etwas langgezogen und ereignislos. Handlungen werden in Theatertradition oft nicht gezeigt sondern nur berichtet. Das macht es insgesamt etwas zäh. Vor allem verläuft sich der Plot etwas im Schnee – also der Handlungsdruck aus der ersten Hälfte fehlt komplett und man fragt sich schon quo vadis Admiral? Angeblich sollen die Probleme daher rühren, dass es eigentlich als Miniserie geplant war, die dann aber auf Filmlänge zusammengeschnitten wurde. Nur ehrlich gesagt: Ich kann mir nicht vorstellen dass eine noch längere Fassung die richtige Lösung für die Probleme der zweiten Hälfte wäre.

Denken immer nur an sich selbst: Verliebte Eliten.

Persönlich gehen mir als Bildungsbürger auch die extrem egoistischen Hauptcharaktere gegen den Strich. „Ich bin verheiratet und verletze meinen Eheschwur und die Gefühle meiner Frau? Scheißegal“. Hat der Mann überhaupt irgendwelche Gefühle für seine Ehefrau? Gleiches gilt für Anna Vasilevna. „Hauptsache mir geht es gut und Aleksandr Vasilevich, alle anderen sind mir egal“. In der Hinsicht sind mir die beiden wirklich komplett unsympathisch. Ich hab auch nicht das Gefühl, dass ihre Gefühle gut transportiert werden.

Ansonsten fällt mir der Film aber eher positiv auf. Es ist ein ungewohnter Blick auf die Ereignisse in Russland und es quillt hier auch kein übertriebener Vaterlandspathos heraus. Sehr angenehm! Insgesamt hinterlässt der Film bei mir einen guten, aber etwas langatmigen Eindruck. Dabei ist er aber auf jeden Fall um Welten besser als etwa der unglaublich schlechte Superstalingradfilm von vor ein paar Jahren.

Fazit
Empfehlenswert ist das gute Stück also für alle, die sich für die Thematik russischer Bürgerkrieg interessieren und gerne mal die Materie visualisiert haben wollen. Nur auf Basis der Handlung würde ich den Film aufgrund der schwächelnden zweiten Hälfte nicht empfehlen.

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