Steven Spielbergs ungeliebtes Meisterwerk: 1941

1941_posterjpg-scaled1000Oder die Suche nach einer Antwort auf die Frage: Wieso mag eigentlich niemand 1941?
1941 ist eine überlebensgroße, superrasante Slapsticksensation von Steven Spielberg und Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft) mit einem internationalen Staraufgebot: Dan Akroyd, John Belushi, Christopher Lee, John Candy und Samuraisuperstar Toshiro Mifune spielen mit. Soundtrack: John Williams! Wie kann man das nicht mögen? Mein Plädoyer für den befreienden Blödsinn und altmodische Albernheit.


Gut, 1941 ist nicht der bekannteste Film von Spielberg, aber wenn ich was davon lese oder höre, dann vor allem Schlechtes – dabei ist der Film doch gar nicht so schlecht.

Es geht im Film um die Ereignisse in Kalifornien und Amerika nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour: Hysterie und Paranoia greifen um sich. Viele sind überzeugt: Die Japaner sind schon hier und planen die Invasion! Vor allem Hollywood – das heiligste Heiligtum der amerikanischen Kultur – ist natürlich in Gefahr durch die barbarischen Horden aus Fernost. Während die Militärführung noch nicht ganz sicher ist, was sie als nächstes machen soll, entsteht im Drunter und Drüber der allgemeinen Betriebsamkeit schnell ein heilloses Durcheinander, das am Weihnachtsabend seinen absoluten Höhepunkt erreicht – während der General im Kino sitzt und Dumbo schaut. Wahrscheinlich ist der Film auch genau deshalb nicht sonderlich beliebt in den USA, weil er den typischen Hurra!-Patriotismus gehörig auf die Schippe nimmt und eben darstellt, wie übertrieben alles ist.

Bange Blicke: Kommen jetzt die Japaner um uns John Wayne und die Hamburger wegzunehmen?

Vor allem durch die Unzahl an verrückten Charakteren gewinnt die Handlung Immens an Witzigkeit und Tempo. Wie in einem Kriegsfilm gibt es nicht einen einzelnen Protagonisten und einen einzelnen Handlungsstrang, sondern gleich mindestens ein halbes Dutzend – einer schriller als der andere:
Da wäre allen vorweg der durchgeknallte Bruchpilot „Wild“ Bill Kelso, der imaginäre Japaner über der Ostküste jagt. Die fanatische japanische U-Bootbesatzung, allesamt Nachfahren der „Ninja-Totschläger“, begierig darauf, sich Ehre durch die Torpedierung Hollywoods zu verdienen, genervt vom nervösen deutschen Verbindungsoffizier an Bord. Ein durchgeknallter Army-Oberst, der in Monas Steckrübenfeldern eine versteckte japanische Division wittert. Eine Frau mit einem verrückten Flugzeugfetisch, ein heruntergekommener Weihnachtsbaumverkäufer, der sich Hollis Wood nennt, ein schizophrener Bauchredner im Riesenrad und viele mehr…

Kurzum: Die Charaktere sind herrlich schräg!
1941 wäre aber kaum genießbar, würde es nicht das Normale mit dem Bekloppten verbinden. Denn sorgfältig eingebettet in den ganzen Wahnsinn ist etwa die Geschichte von Wally, einem tellerwaschenden, aber talentierten Jungen, der davon träumt ein berühmter Tänzer zu werden und seine große Liebe von nebenan zu gewinnen – dabei macht ihm aber nicht nur der Vater seiner Angebeteten einen Strich durch die Rechnung, sondern auch ein streitsüchtiger Soldat mit dem Spitznamen „Stress“, der es ebenfalls auf Betty abgesehen hat. Dazwischen kommt reichlich Kurzweil auf, denn der Film schaltet immer wieder zwischen den Plots der anderen Charaktere hin und her. Ob es nun um Wild Bills unermüdliche Jagd auf die Japaner geht, die Suche des verirrten japanischen U-Bootes nach Hollywood oder die Versuche von Loomis Birkhead die flugzeugdusselige Donna zu verführen. Alles in allem ergibt sich ein herrliches Potpourri der Albernheit, garniert mit reichlich Durcheinander und vielen vielen Komparsen. Der Film gipfelt schließlich in unglaublich lebendigen Szenen mit fantastischen Massenaufläufen, die sich, ganz natürlich, immer weiter steigern und verdammt beeindruckend sind, wenn man mal darüber nachdenkt, wie aufwendig sie eigentlich sind. In gewisser Weise erinnern diese Szenen etwas an die sich aufschaukelnden Actionszenen aus den alten Indiana Jones-Filmen.

Der Film legt ein ordentliches Tempo vor, hat einen herrlich bekloppten Humor in Wort und Tat und ist wunderbar abwechslungsreich, ohne zu verwirrend zu werden. Wieso zum Geier ist er also so unbeliebt??

Ich kann abschließend zu meiner Lobhuddelei nur sagen: Ich finde, die Leute tun dem Film unrecht, wenn sie ihn als schlecht abstempeln. Für mich ist 1941 ein herrliches Stück Film aus einer Zeit als Comedy noch witzig war und nicht nur als Product Placement für unlustige Jerks und deren Kumpels gedient hat. Ha!

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