Dororo: Noch ein Spiel zur Serie vom Comic

bwilltEr schneidet, er würfelt, er häxelt, er filetiert – und: Er tötet die Dämonen! Aus der beliebten Reihe „Das Spiel zum Film zur Serie zum Comic“ kommt heute: Dororo! Ein aufregendes, überraschend gewaltsames Märchen aus dem Land von tausend und einem Katana. Die Grundprämisse: Ein einsamer Kämpfer mit Schaschlikspießarmen und mehr Gimmicks als James Bond im Anzug befindet sich im heißblütigen Ringen mit 48 Dämonen aus der neunten buddhistischen Hölle, um ihnen seine Körpereinzelteile und Gedärme zu entreißen. Klingt abgefahren? Ist es auch! In diesem Beitrag geht es hauptsächlich um das Spiel auf der PS2, aber ich werd natürlich auch den Film und zumindest die Serie auch kurz beleuchten. Die Katana gespitzt und reinspaziert, es darf wieder geblutet werden.

The story so far
Dororo spielt irgendwann zur Zeit der streitenden Reiche irgendwo in Japan. Also etwa im Zeitraum zwischen etwa 1467 und 1600. Wie so oft geht es auch diesmal wieder um dämonische Mächte, die sich in irdische Angelegenheiten einmischen um möglichst vom großen Blutvergießen profitieren zu können. Die Geschichte beginnt an einem kleinen Tempel irgendwo in der Provinz, wo ein Wahnsinniger einst 48 dämonische Statuen schnitzte. Diesen Ort sucht sich der unbedeutende Warlord Daigo Kagemitsu aus um zu übernachten. Der wachhabende Priester warnt ihn noch vor den finsteren Mächten dieses Ortes, doch das Clanoberhaupt schießt die Warnungen in den Wind und will unbedingt die Nacht in diesem Zimmer verbringen. Nachdem der Priester fort ist, wird Daigos Agenda klarer: In seiner Verzweiflung, sich gegen seinen Kriegsgegner  und Erzfeind aus der Nachbarprovinz ein- und für allemale durchzusetzen, fleht er die grässlichen Götzenbilder um Hilfe an. Für die Macht, seine Feinde zu besiegen will er ihnen alles geben, was sie von ihm auch verlangen mögen.

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: Die 48 Höllengötzen wollen 48 Körperteile und Gliedmaßen von Daigos bald auf die Welt kommendem Sohn. Nicht nur den Fürsten verwundert das, denn Kenner der Dämonen- und Teufelszene wissen, dass normalerweise für sowas diverse Todesopfer fällig wären. Daigo willigt also ein. Blitze krachen dramatisch herab und besiegeln den blutigen Opferbargain zwischen Mensch und Unmensch. Und so kommt schon am nächsten Tag der Sohn des Daigo als groteske Deformiertheit zur Welt und lebt doch irgendwie. Angewidert von diesem Scheusal, aber gierig darauf, seine Macht zu erproben, verstößt der Warlord das Kind und setzt es aus. Eine weise Entscheidung, die sich in keiner Weise später nochmal irgendwie rächen oder auf Daigo zurückfallen könnte…

dororo-daigo

Erschrocken und entzückt zugleich: Daigo Kagemitsu nach dem Vollzug des Paktes.

Der Name des Kindes:  Nicht Dororo. Sondern Hyakki-Maru. Zum Glück ist die Dichte der in Japan lebenden Wunderwerker überdurchschnittlich hoch. So hat nämlich ein krasser Schwertschmiedapotheker-Erfinder („Physiker“) das Kind als sein eigen aufgenommen und mit mehr teuflischen Utensilien als ein schweizer Taschenmesser ausgestattet. Hyakki-Maru ist vom Säugling zum Mann mit einer Mission herangewachsen… worden. Prothesen wachsen ja nicht von selbst.
Die Vision: Endlich ein richtiger Junge echter Mensch werden!
Die Mission: Die 48 teuflischen Dämonen aus den tiefsten Tiefen der schwärzesten Hölle zu konfrontieren, sie niederzuringen und zu vernichten! In Bester Steven Seagal-Manier ist Hyakki-Maru unterwegs sich das zu holen, was man ihm weggenommen hat. This time – it’s personal!

Franchise auf Eis: 40 Jahre später.
Dororo ist original aus den 60er Jahren – damals gab es noch keine Playstation. Deshalb kam das Spiel erst um 2004 auf den Markt und erhielt in Europa und den USA den Namen „Blood will tell: Tezuka Osamu’s Dororo“ – die Marketingabteilung hat wahrscheinlich kalte Füße bekommen und wollte sich so doppelt absichern. Und damit kann ich auch wieder perfekt überleiten: Tezuka Osamu war nämlich nicht nur ein waschechter Nachfahre von Hattori Hanzo, dem berühmten Ninjatodesmeister der Tokugawa, sondern auch die überlebensgroße japanische Comic- und Zeichentricklegende, der wir die Anfänge von Anime und Manga, bzw deren Durchbruch in Japan und sukzessive auch bei uns, zu verdanken haben. Wie cool ist das denn bitte?
Hierzulande kennt Tezuka Osamu der ein oder andere vielleicht noch wegen der Serie Kimba – der weiße Löwe. Erkennbar am unverkennbar bekannten Zeichenstil Tezukas.

Hyakki und Dororo staunen: War da nicht gerade ein Dämon?!

Dororo gehört nun zu den unbekannteren Vertretern von Tezukas Werk. Bemerkenswert ist der stilistische Unterschied zwischen Tezukas Originalartwork und dem Design des Spiels. Die moderne Überarbeitung durch Hiroaki Samura wirkt weniger kindlich und deutlich zeitgemäßer. Auf der anderen Seite war ich verdammt überrascht zu sehen wie brutal selbst der uralte Anime war. Hier werden Leute halbiert, dort ätzt ein Dämon einem dicken Mann das Fleisch von den Knochen – y’know, for kids! Das war unerwartet. 2007 kam schließlich noch ein Realfilm dazu, der aber handlungs- und trickeffekttechnisch eher mäßig ist und insgesamt einen eher durchschnittlichen Eindruck hinterlässt. Imo hat der Film die gleichen Probleme wie viele andere Realfilmadaptionen von Anime.

Ein Geheimtipp mit Charme für die PS2
Nach einem recht ereignis- und strukturlosen Intro wirft uns das Spiel in ein kleines Tutorial und danach auch schon gegen die ersten Edngegner. Die Handlung folgt logischerweise dem Manga, interpretiert die Sachen aber auf seine Weise auch gerne mal so um, dass sich natürlich mehr Spielzeit daraus ergibt. Die Handlung ist dabei auf mehrere Kapitel aufgeteilt, die immer entsprechende Kapitel aus dem Manga verwursten und abknuspern. Der Plot beschränkt sich trotzdem auf ein Minimum, das durch cool gezeichnete Standbilder im neuen Stil oder durch Minizwischensequenzenschnipsel vermittelt wird. Der Nachteil ist, dass man quasi im Tunnel umherläuft und der Weg des Spielers idR klar vorgegeben ist. Durch Backtracking an der Schmerzgrenze und kleinere Abzweigungen entsteht dabei aber gelegentlich der Eindruck einer halboffenen Spielwelt. Technisch ist das Spiel grundsolide aufgebaut. Die Steurung funktioniert gut und ermöglicht ein relativ flottes und flüssiges Gameplay, das sehr bosslastig ist. Auf Endgegner stolpert man hier hinter jeder Ecke. Einzig mit der Kamerapositionierung im Inneren von Gebäuden hapert es ein wenig. Und mir persönlich fehlt ein Blocksystem oder halt eine einfache und zuverlässige Möglichkeit, effektiv auszuweichen.

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Ganze Spielpassagen beruhen direkt auf Folgen des Anime und erzählen die Geschichte mit einigen Freiheiten nach

Blood will tell machen aber noch andere Sachen aus: Gleich zu Beginn erinnert uns das Spiel daran, dass unser TV nicht kaputt ist und das Spiel auch normal funktioniert. Denn besorgte Spieler könnte es erschrecken, dass die ersten Levels noch in schwarzweiß gehalten sind. Erst nachdem man einen der ersten Endgegner besiegt hat wird alles in Farbe angezeigt. Der Grund: Hyakki-Maru hatte davor noch keines seiner echten Augen zurück und konnte dementsprechend nur schlecht sehen. Das ist ne coole Sache, da sie auch nicht zu extrem damit umgehen. So bekommt man immer mal wieder mehr Fähigkeiten und bessere Charakterwerte, je nachdem welche Körperteile man so sammelt. Nach dem Erhalt eines seiner Beine kann Hyakki fortan z.B. auch die Sprintfunktion nutzen. Extras wie Munition oder Lebensenergie erhält man, indem man entweder Behälter wie Vasen oder Steinbildnisse zerstört oder durch ein hauseigenes DIY-QTE: Hyakki kann auf Knopfdruck einen Spezialangriff aufladen. Trifft man damit Gegner, wird ein Quicktime-Modus aktiviert, bei dem man gegen die Zeit seine vier Knöpfe in zufälliger Reihenfolge drücken soll. Schließt man einen solchen Angriff ab, kann man einem Gegner nicht nur seine Lebensenergie, sondern auch Items wie Medizin, Munition oder sogar Schwerter entlocken. Außerdem begibt sich Hyakki mitsamt Sakurakitsch in eine Schwertmeisterpose. Letzteres kann man aber zum Glück auch überspringen, da man diesen Move wirklich alle naselang anwendet.

Sonic, Captain Future und Rollenspiel, das keine Rolle spielt
Richtig klasse trashig ist übrigens die Story. Fans von Captain Future werden sich direkt zu Hause fühlen, da die Dialoge hier auf wunderbarste Weise an den Captain erinnern und die beiden Protagonisten herrlich-ahnungslos sind: Hyakki spricht in der Dauerschleife von den Dämonen und lädt zum Trinkspiel ein. Dororo kommt auf die bescheuertsten Ideen. Dieser Ronin wird von einem dämonischen Teufelsschwert besessen, das ihn ganz und gar seinem Blutdurst als Sklaven unterworfen hat… das Schwert brauch ich für mich um stark zu sein!
Anderes Beispiel: Dororo durchsucht eine Kiste und findet heraus, dass sie bis zum Rand mit Gold und Geldsäckchen gefüllt ist. Aber ein Säckchen sticht besonders hervor. „Geld!!! … aber was mag in diesem Sack hier sein?. .. . Mehr Geld!!!“
Kurzum: Die Handlung ist schrottig im Quadrat und macht einen Riesenspaß!

dororo-boss

Im Kampf gegen einen der sehr zahlreichen Endgegner. Spielt man alleine, kann man Dororo Befehle geben (unten rechts). Auf diese Weise kann man u.a. weitere Bonus-Endgegner aufspüren.

An die alten Sonicspiele erinnert der Pseuodo-Zweispielermodus. Solange Hyakki von Dororo begleitet wird, kann ein zweiter Spieler jederzeit die Kontrolle über Dororo übernehmen und Gegner umhauen oder mit Steinen bewerfen, Items aufheben etc. Sehr praktisch ist das vor allem im Kampf gegen Endgegner, denn auch da kann Spieler zwei mithelfen. Verliert Dororo all seine Lebensenergie ist er aber nicht tot: Genau wie Tails bei Sonic taucht er kurz darauf wieder neu auf. Der Nachteil: Einen Splitscreen bietet das Spiel leider nicht. So hat man als Dororo stetig Orientierungsprobleme. Manchmal muss der zweite Spieler aber auch einfach warten, denn das Spiel schaltet manchmal in einen Modus um, in dem nur einer von beiden unterwegs ist. So gibt es etwa Passagen, in denen Spieler 1 regulär die Kontrolle über Dororo übernimmt. Spieler 2 schaut dann in die Röhre.

dororo-rpg

Kleine RPG-Elemente machen das Spiel zusätzlich interessanter, täuschen aber letztlich mehr Tiefgang vor, als es eigentlich gibt.

Täuschen lassen sollte man sich hingegen nicht von den Rollenspielelementen im Spiel. Zwar sorgt es für mehr Abwechslung und mehr Taktik, aber halt nur sehr rudimentär. Neben den Armklingen, kann der Spieler nämlich auch jederzeit einfach mit einem normalen Schwert kämpfen. Das ist dann zwar deutlich langsamer, kann aber gerade im Kampf gegen die Dämonen sehr nützlich sein. Beispielsweise dann wenn sie klar einem Element zugeordnet sind. Ein Schwert des selben Elementes schwächt dann den Schaden ab, den man selbst nimmt, verstärkt im Gegenzug aber den Schaden den man selbst anrichtet. Im Wesentlichen verdeutlicht die RPG-Elemente jedenfalls nur, wie sich die Boni genau auf Hyakki auswirken. Glück +5, Stärke +3 HP +10 usw.
Das soll nicht heißen, dass sie komplett überflüssig wären. Rollenspielfans werden aber halt nichtauf ihre Kosten kommen. Dafür spielen die Rollenspielelemente einfach eine zu kleine Rolle beim Hack’n Slash. Blood will tell bleibt eben ein Actionklopper.

Ungeachtet dessen ist Blood will tell meiner Meinung nach ein kultiges Lizenzspiel, das sogar verdammt gut spielbar ist. Es ist eben kein Devil May Cry, aber durch den Plot und die Charaktere hat es einen ganz eigenen Charme und ist meiner Meinung nach eine gute Empfehlung für jede PS2-Sammlung. Problem: Das haben auch andere Leute erkannt. Mit dem Preis muss man deshalb ein bisschen Glück haben. Das Spiel wird gerne etwas höherpreisig angeboten.

Zum Abschluss noch ein Let’s Play

Und eine kleine Ansammlung von OP und ED des Anime

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