Fury: Herz aus Stahl

Fury
Bei Fury – zu deutsch: Herz aus Stahl – handelt es sich weder um das Comeback des hilfsbereiten Hollywoodhengstes, noch um die Verfilmung des gleichnamigen Songs von Manowar sondern um einen Kriegsfilm, über einen wunderstarken Shermanpanzer und seine fabelhafte Crew verwegener Männer. Ein Film, bei dem es schonungslos kracht und der so manche Überraschung parat hält.

Jungejunge! Bei Fury geht es hart, dreckig und ohne Schnörkel zur Sache. Krieg ist eben hart und verzeiht kein Zögern. Und als solcher macht der Krieg aus kleinen Jungs richtige, harte Kerle.  So in etwa könnt ich den Film zusammenfassen.
Review done.

Der Film folgt dem Schicksal der Panzercrew von Don Collier (Brad Pitt), die härteste harte Kriegssau der United States Army. Gemeinsam mit ihrem Shermanpanzer „Fury“ haben sie schon in Afrika und Frankreich gegen die Wehrmacht gekämpft und sind nun, zusammengeschweißt durch die Feuer des Kriegs, auch beim Vorstoß durch Deutschland mit dabei. Kein Zuckerschlecken, denn die deutschen Tigerpanzer, sind zwar nicht besonders zahlreich, den amerikanischen Shermans aber an Feuerkraft und Panzerung haushoch überlegen. Die US-Panzertruppe hat große Verluste. So groß, dass von Colliers Zug nur er und sein Furypanzer übrig sind. Im Feldlager treffen wir auch auf den jungen Norman (Logan Lerman), der dem Zuschauer als Avatar dienen wird. Er kommt frisch von der Panzerschule und soll den verschiedenen MG-Schütze der Fury ersetzen.

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Damit hat er zunächst einige Mühe, denn er muss lernen, dass der Krieg verdammt schonungslos ist. Töten oder getötet werden, lautet die Devise. Und Wardaddy Collier trichtert ihm ein: „Ideale sind friedlich, aber Geschichte ist BRUTAL“. In anderen Worten: Man up and grow a pair!

Überraschung #1: Kontroverse!

Und damit sind wir auch schon bei nem Punkt, der Fury ziemlich rausstehen lässt imo: Die Amerikaner im Film sind die letzten Arschgeigen!

Ungebildet, dreckig, sadistisch und hedonistisch bis über die Ohren – richtige Schweine und Dreckskerle. Männer von der Straße natürlich. Nun seh ich auch, dass das wahrscheinlich sehr viel näher an der Realität sein dürfte als die shiny knights, die galant die Welt retten und nur Gentlemen sind und Kindern Kaugummi schenken. Allem Lob über die Besatzungstruppen zum Trotz waren die Amerikaner ja nach dem Krieg auch nicht immer nur gerne gesehen bei der lokalen Bevölkerung. Und im Krieg, wo jeder Tag der letzte sein kann, ist es natürlich Weise auch nachvollziehbar, dass die Leute versuchen sich mit Hedonismus über Wasser zu halten.

Aber muss das wirklich sein? Ich frag mich ein bisschen was fürn ethischen Kompass dieser Film den Zuschauern mitgibt? Mit am schlimmsten find ich wie sie das Begehen von Kriegsverbrechen als Männlichkeitsritus feiern. Norman wird im Film gezwungen einen entwaffneten Kriegsgefangenen (Wehrmachtsoldaten) zu erschießen. Später wird es halbgar dadurch legitimiert, dass die SS ja Drecksäcke sind. Stimmt natürlich schon. Aber ist es deswegen cool wenn man selbst auch Kriegsverbrechen begeht?
„Softe“ Vergewaltigungen sind auch OK und Prostitution auch. Jeder darf mal. Spoils of War für harte Männer und so. Alles gangsta.
Hach, bei Steiner hätt es sowas nicht gegeben…

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You ain’t got the balls, son. Norman wird gezwungen einen unbewaffneten Kriegsgefangenen zu erschießen. Männersachen halt. (Bild: moviequotesandmore.com)

Während das wahrscheinlich aber durchaus schon die Realitäten des Kriegs treffen mag, find ichs bedenklich, dass es in Friedenszeiten in so einem Film als absolut OK dargestellt und vermittelt wird. Bei der Nummer im Wohnzimmer, wo der Tochter der Deutschen der Sex mit Norman mehr oder weniger aufgezwungen wird, stellt der Film es hinterher auch nur so dar wie „sie wollte es ja doch auch“. Örks 😐
Kein Wort dazu, keine Ermahnung vom Vorgesetzten oder irgendwas. Moralischer Kompass?  Fehlanzeige Jungchen! Es ist Krieg! Use your goddamn balls, not your brain!

 

Handlungsabriss: 5 gegen 300. This is Sparta ’45!

Genauer gesagt steuert die Handlung des Films aber auf einen Showdown zu: Die Fury, der kleine tapfere Panzer, muss ganz auf sich allein gestellt, die Stellung halten, damit die Armee neu versorgt werden kann. Leider wird die Maschine arg in Mitleidenschaft gezogen und bleibt immobil auf einer Kreuzung stecken. Norman wird auf die Lauer geschickt und erkennt drohende Gefahr: Eine SS-Armee bewegt sich genau auf die Fury zu.
Mit zwei Alternativen ausgestattet – Pflucht oder Pflicht – entscheidet sich Wardaddy Collier dafür, zu bleiben und bis zur letzten Kugel zu kämpfen. Und weil er so ein inspirierender Anführer ist bleiben natürlich alle gleich mit. Sogar Norman, der jetzt endlich mal zum Mann wird.

Die Amerikaner legen sich auf die Lauer und bereiten sich darauf vor, den SS-Leuten kräftig einzuheizen….Klingelt’s?

Überraschung #2: Es ist genau die gleiche Prämisse wie in Tarantino’s Persiflage auf alle (deutschen?) Kriegspropagandafilme: Stolz der Nation!
Einziger Unterschied: Statt einem deutschen Scharfschützen im Kirchturm steht hier ein US-Panzer im Schlamm einer Armee paroli.

FAZIT

Hilft uns dieser Film aus der Krise der Männlichkeit in Zeiten des Genderwahnsinns? Ist Fury doch nur ein weiterer kitschiger Lobgesang auf Pflichterfüllung und den Stolz einer Nation?

Wahrscheinlich überrascht es niemanden mehr wenn ich sage: Mein Fall war der Film nicht. Als Panzerfilm ist er nicht interessant weils zu wenig um Panzer geht. Und als Kriegsfilm… meh.  Also mich konnte Fury nicht überzeugen und ich würd ihn auch nicht weiterempfehlen. Dann doch lieber ne ordentlich gemachte Doku.
Fury ist ein müder Mannwerdungsmythos ohne echten Mehrwert.

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