Das eigentliche Problem der Kölner Haie

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Opfer einer sportlichen Seifenoper: Ex-Trainer Krupp und Ex-Trainer Sundblad (vlnr)

Gestern kam es endlich raus: Trainer Sundblad muss Abschied von den Kölner Haien nehmen. Radikalen und teils wohl sehr kostspieligen Umstrukturierungen zum Trotz konnte er keine Erfolge erzielen. Zuletzt geriet das Team in eine fatale Serie aus Niederlagen, die für viel Unmut gesorgt haben.
Jetzt steht es fest: Sundblad ist raus. Rund zwei Jahre nach Sundblads Putsch gegen Uwe Krupp (heute Trainer bei den Berliner Eisbären) ist der Weg für einen neuen Trainer wieder frei!  Warum es der Mannschaft meiner Meinung nach trotzdem nicht helfen wird, das schreibe ich hier. Ein Kommentar.

Mit Sicherheit gehen viele der aktuellen Probleme der Kölner Haie auf das Konto von Trainer a.D. Niklas Sundblad. Aber wenn wir ehrlich sind, dann wissen wir denke ich alle, dass  die eigetlichen Probleme der Haie ganz woanders sitzen. Denn das, was wir jetzt sehen ist erstmal noch gar keine Veränderung im tiefergreifenden Sinne, sondern vielmehr eine Fortführung des altbekannten Kurses,  der den Haien auch weiterhin Probleme bereiten wird. Nach der vergleichsweise langen Ära Krupp droht jetzt also wieder der Rückfall in alte Gewohnheiten: Andauernde Wechsel und Umstellungen. Und damit auch das Ende einer konstanten und kontinuierlichen Arbeit am Team, welche die Mannschaft eigentlich dringend bräuchte.

Klar, in den 70ern gab es auch fast jedes Jahr einen neuen Trainer. Damals hat sich der KEC sämtliche Spitzenspieler gekauft, weil – wenn man den Dokus glauben darf – eben Geld ohne Ende da war. Dass Geld alleine aber nicht ausreicht um eine Meisterschaft zu holen zeigen diese zwei Jahre Sundblad ebenfalls, denen trotz allem der Erfolg fehlt. Das Problem scheint einfach, dass bei den Haien zwar die Einzelleistung da ist, aber die Einheit und Identität als Team fehlt.

Was ich sagen will: Den Haien fehlen in der Führungsebene eine ruhige Hand, Vertrauen und eine gesunde Portion Geduld. Einer Mannschaft, bei der dauernd Trainer und Spieler ausgetauscht werden, kommen der Zusammenhalt, die Identität, die Kontinuität und die Konstanz abhanden. Deshalb muss meiner Meinung nach Schluss sein mit der derzeitigen „Hire and fire!“-Mentalität. Ständige Wechsel und Umstellungen sind im Sport für alle schlecht: Schlecht für die Mannschaft, weil es ein Klima der Unsicherheit schafft und den Zusammenhalt stört. Worunter ganz sicher auch das Zusammenspiel leidet. Schlecht für die Trainer, weil sie kein System wurzeln lassen können und unter übertriebenem Erfolgsdruck stehen. Schlecht für die Fans, weil die Mannschaft unsicher ist und durch die ständigen Wechsel die Identität eines Teams flöten geht. Fans der NFL Europe werden verstehen, was ich meine. Meine größte Befürchtung ist deshalb, dass jetzt eine Wirbelsturm an Trainerwechseln eintreten wird und keiner seinen Spielstil etablieren können wird. Statt einem sich immer schneller drehenden Personalkarussell, angetrieben durch Erfolgspanik, bräuchten wir aber Ruhe und Kontinuität. Beides Dinge, die Uwe Krupp bis zu seinem Rausschmiss zuverlässig geliefert hat.

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Für Krupp, der für mich mehr KEC war als Niklas Sundblad, die Vereinsvorstände oder die Sponsoren,  gabs jedenfalls kein Dankeschön vom Chef – stattdessen eine „Beurlaubung“ und die vorzeitige Auflösung des eigentlich bis 2017 gültigen Vertrages. Die Entscheidung sei „kein Schnellschuss“ gewesen, wurde dann beteuert. Kein Schnellschuss?
Stimmt: Es war der Super-GAU.

So wenig glaubwürdig es damals wirkte, als Herr Schöneberger davon sprach, dass es nicht nur an dem verpatzten Saisonstart läge, dass man sich von Coach Krupp trennen wolle, so dumm wirkt es jetzt auch wieder wenn der gleiche Schöneberger vergangenes Wochenende verlauten lässt „Diese Woche wird es keine Trainerdiskussion geben. Auch am nächsten Wochenende ist Niklas unser Trainer.“ und ich mittwochs dann lese, man habe sich entschlossen, sich vom Trainer Sundblad zu trennen, nachdem die Spiele am Wochenende schlecht gewesen seien. Das wirkt weder professionell, noch klug. Es ist kein gutes Management und wirkt auch nach außen hin katastrophal. Es ist das Eingeständnis, dass die Sportler die Zügel aus den Händen gegeben haben und jetzt wieder die Geldgeber bestimmen. Ich gönne es Sundblad zwar, dass er gegangen wird, aber gleichzeitig seh ich auch, dass sich bei den Haien nichts ändern wird: Geschichte wiederholt sich. Mal wieder.

Der Mannschaft wird das jetzt vor allem Unruhe bringen. Nachdem 2014/2015 das Team dran war, ist jetzt wieder der Trainer an der Reihe und es kündigt sich schon wieder die Personalspirale an: Der Nachfolgekandidat soll zunächst erstmal nur bis zum Ende der Saison trainieren.

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Bevor es nämlich zum Rausschmiss Sundblads kam, ließ einer der wohl wichtigsten Geldgeber – benevolent wie Cäsar im Colosseum –  sämtliche Spieler einzeln vor sich antreten und hielt dann den Daumen hoch oder runter. Daraus – und nicht aus den Überlegungen der Leute, die es eigentlich zu entscheiden hätten – resultierte dann auch Sundblads Freisetzung. Es ist anzunehmen dass das vom Klub selbst anders geplant war und man deshalb andere Signale nach draußen gab – Resultat: der eigentliche Wunschkandidat Peter Draisaitl hat in der Zwischenzeit bei einem tschechischen Klub unterschrieben und ich nehme an, dass der hochgepriesene Herr Clouston nun nur eine Notlösung ist.  Als Sportfan find ich das zum Kotzen, denn für mich ist eine Mannschaft auch nur so gut wie ihr Management. Und das muss mit Weitsicht und Klugheit handeln und vermitteln. Stattdessen muss man sich in Köln nun aber wieder vor den Launen der Finanzbosse beugen. Das ist Gift für jede Teambildung und untergräbt nur die Werte, die eine erfolgreiche Mannschaft ausmachen. Ich verstehe ja, dass man von Geldgebern abhängig ist, aber mit solchen Freunden braucht man keine Feinde mehr.
Liebe Geldgeber: Lasst bitte die Leute ihren Job machen. Im Sport muss man damit leben, dass es keine hundertprozentigen Erfolgsquoten gibt und dass sich Erfolg nicht automatisch und über Nacht einstellt.

In jedem Fall kann ich nur hoffen, dass wir nicht in ein nie enden wollendes Personalwechselspiel und einen Teufelskreis aus Schnellschuss-Entscheidungen geraten werden.

Das ist nämlich das eigentliche Problem der Kölner Haie.

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