40k mit 64kb – Space Crusade (C64)

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Space Marines: Die furchtlose (und zahnlose?) Elite der Menschheit

In der furchterregenden Finsternis der fernen Zukunft gibt es nur Kriiieeeg…. in acht Bit!
Mit Space Crusade flatterte mir wirklich eine Überraschung ins Haus. Ich hab bis dato nicht gewusst, dass es auf dem C64er auch ein Spiel zu Warhammer 40.000 gegeben hat – und das Beste daran: Es ist garnichtmal schlecht!

Das Spiel zum Spiel zum Spiel – vom Tisch zum Brett zum Tastenbrett

Space Crusade (in Deutschland: Starquest) war eigentlich eines der Brettspiele, mit denen Games Workshop am Anfang der 90er Jahre versuchte sich auf dem Markt auszubreiten und zu etablieren. Ich glaube am Anfang der 90er waren Warhammer und Co auch in Deutschland noch nicht so sonderlich bekannt und die Brettspiele werden sicherlich einen ganz erheblichen Teil dazu geleistet haben Games Workshop in Europa insgesamt bekannter zu machen und vielleicht sogar in Amerika – vertrieben wurden einige dieser Spiele immerhin u.a. durch den Brettspielgiganten MB, der im Kinderprogramm im TV auch ordentlich und mit viel Tamtam die Werbetrommel rührte. Die Werbespots zu Hero Quest und Starquest scheinen mir jedenfalls mit erheblichem Aufwand gestaltet worden zu sein und sind mir auch heute noch in guter Erinnerung. Ein bisschen in den Dunstkreis dieser Brettspiele fällt übrigens auch das 1993 und 1996 bereits versoftete Space Hulk, das demnächst auch wieder ein neue Spieleinkarnation erhalten wird ( Trailer ). Ich glaube alle dieser Brettspiele sind heute so gut wie unerschwinglich geworden während man die Computerspielumsetzungen für einen Appel und ein Ei kaufen kann. Die letzte Edition von Space Hulk (2014) geht bei Amazon derzeit für 150 Euro über den Tisch – die letzte Softwareumsetzung (2012) kriegt man schon für einen Fünfer.

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Umfangreich: Das Originalspiel „Space Crusade“ enthielt viele Miniaturen, Spielpläne und Gimmicks. Hier zu sehen ist der Großteil des Grundspiels.

Space Crusade/Starquest und Heroquest waren als Brettspiele jedenfalls sogar so erfolgreich, dass dsie zahlreiche Erweiterungen mit neuen Missionen, Figuren, Spielfeldern und Spielelementen erhielten. Noch mehr Erweiterungen erschinenen schließlich in Games Workshop’s White Dwarf-Magazin und beide Spiele bekamen Advanced-Varianten verpasst, die aber in keinem Fall an den Erfolg der Originalspiele anknüpfen konnten. Vermutlich auch weil die nicht mehr von MB vertrieben wurden. Zumindest in Deutschland gibt es auch heute noch eine kleine Fangemeinde für die beiden Quest-Spiele (z.b. Space-Crusade.de).

Egal ob auf dem Tisch oder im Computer, das Spielprinzip war natürlich immer das gleiche.
Bis zu drei Spieler müssen mit je 4 Space Marines und einem Space Marine Captain verschiedene Missionen auf unterschiedlich aufgebauten Raumschiffen  erfüllen. Die Missionsziele laufen dabei meist darauf hinaus, dass man ein bestimmtes Objekt finden und bergen/zerstören muss, teilweise auch innerhalb eines bestimmten Rundenlimits.Beim Brettspiel bestand das Spielfeld deshalb aus vier vierteln, die je nach Mission anders angeordnet werden mussten. In einem kleinen Missionsheftle gab es die genauen Pläne für jede Mission, mitsamt Briefing, Aufgaben und allen Angaben zu den erlaubten Feinden, Sonderfähigkeiten und Schwierigkeitsgrad. Für jeden erledigten Gegner gab es dabei Punkte, die wiederum in Belohnungen umgesetzt werden konnten. Auf diese Weise war es möglich sogar ganze Kampagnen zu spielen, in denen die Spieler nach und nach im Rang aufsteigen und immer mehr Extras mitnehmen können. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen waren die beiden Quest-spiele auch darauf ausgelegt, dass die Spieler kooperativ gegen die  Monsterhorden vorgehen anstatt sich gegenseitig abzuschießen. Ähnlich wie bei Heroquest fungierten die Raumschiffe hier wie klassische Fantasy-Dungeons. Labyrinthe mit Monstern, die von einem Dungeonmaster platziert und kontrolliert werden.

Wie bei Heroquest musste also einer der Spieler halt diese Rolle einnehmen anstatt Space Marines herumzuschicken. Mit Hilfe des Missionsbüchleins und einer Datenleiste setzte er die Radarblips auf dem Spielfeld ab und platzierte die Monster auf den vorgesehenen Stellen, steuerte sie und versuchte generell die bis zu drei Spieler daran zu hindern ihre Aufgabe zu erfüllen. Dafür gab es auch für den Dungeonmaster limiterte Sonderaktionen (Ladehemmung, durchdrehendes Monster, Alarmsystem usw) als Pendant zu den Ausrüstungsgegenständen und Sonderbefehlen, die die Marine-Spieler einsetzen konnten. Ein interessanter Teil des Spiels ist meiner Meinung auch, dass man als Marine das Schiff erstmal „abscannt“. Gemäß des Missionsplans platziert der Spieleiter die bereits erwähnten Radarblips, auf deren Rückseite ein Gegnertyp und eine Punktzahl vermerkt sind. Diese Blips können auch bewegt werden wenn die Marines ihre Runde abgeschlossen haben, werden aber erst bei Sichtkontakt aufgedeckt. Auf diese Weise wissen die Marines zwar immer wo sich Gegner befinden, aber nie was sie dort wirklich erwartet.

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Simpel, aber zweckmäßig: Space Crusade auf dem C64

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…seinen vollen Glanz entfaltet das Spiel auf dem Amiga. Man beachte auch die Radarblips

Unmodernes Multiplatformgaming

1990 kam das Brettspiel auf den Markt, 1992 dann die Versoftung. Damals gab es noch eine Hülle und Fülle an Heimcomputern, die seit den 80ern den europäischen Markt dominierten und in den 90ern allmählich durch den PC und Videospielkonsolen abgelöst wurden. Es war wohl relativ einfach möglich ein Spiel auf einem System zu programmieren und es dann auf die anderen zu portieren. Space Crusade erschien damals wohl primär für den Amiga, wurde dann aber auch für den Commodore 64, MS DOS, Atari ST, Zx Spetrum und den Amstrad portiert. Multiplatformgaming anno 1992. Auch wenn damals schon definitiv das Ende der Homecomputer abzusehen war lohnten sich Umsetzungen für möglichst viele Systeme scheinbar noch.

Diese wurden allerdings meist mit so wenig Aufwand wie möglich betrieben und waren mitunter unspielbar. Für Spiele wie Street Fighter 2 oder Final Fight waren die alten Heimcomputer auch einfach zu schwach. Umso erfreulicher ist es deshalb, dass Space Crusade zwar etwas träge und lahm läuft, ansonsten aber rundum spielbar auf dem ollen Brotkasten ist. Es gibt nur wenige Ladezeiten, die dabei noch vergleichsweise kurz ausfallen und man kann eine Mission an einem Stück durchspielen ohne Disk 3 einlegen zu müssen. Es dauert halt nur ewig. Die simpel gehaltene Top-Down-Ansicht ist nicht unbedingt hübsch, aber zweckmäßig und funktional. Man kann jeden Gegenstand „anklicken“ und erhält in einem kleinen Bildschirm eine isometrische Detailansicht und Bezeichnung zu allem. Auch bei Kämpfen wird in eine klobige „hochauflösende“ Iso-Ansicht gewechselt, die etwas Abwechslung ins Spiel bringt und ansonsten aber auch abschaltbar ist. Dass Space Crusade keine aufwendigen Grafiken oder Multibuttoncontroller benötigt kommt der C64-Umsetzung in jedem Fall definitiv zugute.

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Iso-Darstellung von Kampfszenen. Links Commodore 64, rechts Commodore Amiga.

An die Amigafassung kommt aber natürlich nichts ran. Die Umsetzung für MS-Dos sieht so z.B. zwar auch nicht schlecht aus, kommt aber im Detail nicht an die schöne Gestaltung der Amigafassung heran und hat schlechtere Soundeffekte. Vor allem das fetzige Main Theme fehlt mir auf dem PC doch sehr. Auch für das Computerspiel erschien übrigens noch ein Zusatzpack mit neuen Missionen.

So ist Space Crusade zwar keine dezidierte C64-Produktion, aber ich find es allein schon deswegen cool weil es Warhammer 40k auf den C64 gebracht hat. So gut sich Space Crusade aber auch spielen mag – die Geselligkeit des papp- und plastelastigen Originalbrettspiels kann meiner Meinung keine Softwarefassung ersetzen.

Videos:

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